Das mangelnde Täterbewusstsein

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Was passiert, wenn das Täterbewusstsein fehlt?

Mir ist aufgefallen, dass die wenigsten ein Bewusstsein darüber haben, wenn sie etwas getan haben, das einem anderen schadet oder geschadet hat. Wie steht es bei Dir mit diesem sogenannten „Täterbewusstsein“? Wie verhältst Du Dich, wenn Du etwas getan hast, was für einen anderen ungünstig ist, ihm vielleicht schadet oder ihn stark einschränkt? Redest Du dich aus Angst vor Strafe oder Ablehnung heraus? Stellst Du Dich selbst als Opfer und den anderen als Täter dar, oder fällt es Dir leicht zuzugeben, was Du getan hast?

Was passiert, wenn das Täterbewusstsein fehlt?

Zu dem Thema Täterbewusstsein, hatte ich heute Morgen eine sehr spannende Erfahrung: Ich war auf dem Recyclinghof und mein Auto wurde dort von einer anderen Frau mit ihrem Wagen eingeparkt. Mein Wagen parkte in einer normalen Parklücke zwischen zwei Containern und sie hatte ihr Auto quer hinter meinem abgestellt. Als ich alles abgeladen hatte und wegfahren wollte, bat ich sie, ihren Wagen zurückzusetzen, damit ich ausparken könne. Sie antwortete, dass sie jetzt am Ausladen sei, man käme überall raus und ich solle einfach mal rangieren und mich nicht so anstellen. Aus dieser Parklücke kam man allerdings nur rückwärts raus, da stand jedoch ihr Auto. Als ich ihr das erneut mitteilte, meinte sie, dass mir etwas mehr Selbstbewusstsein besser stehen würde und ich solle es einfach mal probieren.

Das war eine interessante Antwort und ich war ganz knapp davor, mich darüber aufzuregen und wütend zu werden. Wenn man sich allerdings über so eine Reaktion aufregt, dann ist das doppelt doof: Man kommt aus der Parklücke nicht raus und hat auch noch negative Gefühle. Ich war wirklich gut drauf und wollte mir meine Stimmung nicht vermiesen. Also atmete ich durch, bewertete die Situation als FÜR mich und fragte sie nochmal, ob sie bitte ihren Wagen zwei Meter zurücksetzen könne, damit ich ausparken könne. Sie verneinte es abermals mit dem Satz, dass sie jetzt an diesem Container am Ausladen sei und ich gefälligst warten solle, bis sie fertig wäre.

Du hast immer eine Wahl

In dieser Situation hatte ich mehrere Möglichkeiten:

  1. Warten und mich ärgern, aber nix machen.
  2. Mich ärgern und diesen Ärger zum Ausdruck bringen durch lautes Entwerten ihrer Person oder ihrer Aktion.
  3. Sie durch eine weitere Auseinandersetzung vom Ausladen abhalten und dadurch noch länger warten.
  4. Ihr „selbstbewusst“ in ihren Wagen fahren und dann auch noch auf die Polizei warten.
  5. Warten und andere Leute davon überzeugen, wie gemein diese Dame ist, in der Hoffnung, dass mir jemand hilft.
  6. Schreien und weinen damit sie endlich wegfährt.
  7. Warten und entspannt bleiben.

Ich habe mich für Möglichkeit Nr. sieben entschieden und stand entspannt an meinem Wagen, schaute ihr beim Ausladen zu und dachte über die Situation nach. Wie muss man drauf sein, wenn man nicht einfach sagen kann: „Ja tut mir leid – ich habe Sie eingeparkt. Ich lade nur noch ganz schnell aus und in fünf Minuten fahre ich weg. Ist das in Ordnung für Sie?“?

Es dauerte weitere drei Minuten, dann stieg sie in ihren Wagen mit der Bemerkung, ich solle mir lieber einen kleineren Wagen kaufen, wenn ich nicht ausparken könne.

Damit hatte sie nochmal eins draufgesetzt, aber warum? Warum mich zum Täter machen, anstatt zuzugeben, was sie getan hatte? Angegriffen oder entwertet hatte ich sie zu keinem Zeitpunkt, ich hatte ihr nur deutlich gemacht, dass sie mich mit ihrem Wagen zugeparkt hatte und sie gebeten, das zu korrigieren.

Selbst in den Medien hört man, wie Politiker sich rausreden, dass andere von ihnen Gesagtes falsch verstanden hätten und es in Wirklichkeit doch ganz anders gemeint war. Keiner will Täter sein, alle stellen sich als Opfer dar. Von Täterbewusstsein keine Spur. Kaum einer hat die Größe, sein Handeln einzugestehen, stattdessen gibt es gegenseitige Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen, was die Situation nicht verändert.

Das war keine negative Absicht

Die Frau auf dem Recyclinghof hat dort nicht geparkt, um mir zu schaden. Sie hat das in einer für sich positiven Absicht getan und dabei nicht bedacht, was das für andere bedeutet.

Diese Opfer-Täter Spiele, die wir tagtäglich spielen, führen zum Krieg. Wenn wir Frieden wollen, dann geht das nur, wenn wir erkennen, dass wir die Verantwortung für unser Handeln tragen und uns damit auf den Urheberstandpunkt begeben. Auch wenn wir Dinge in einer für uns positiven Absicht tun, können wir dadurch zum Täter für jemand anders werden. Wir sind immer verantwortlich; dem gilt es zuzustimmen, und das gilt es zuzugeben. Was es dafür braucht ist allerdings Stärke, Größe und Mut.

Als ich dann schließlich vom Recyclinghof wegfuhr war ich sehr dankbar für das Erlebnis: Denn, als ich mich am Morgen auf den Weg zum Recyclinghof machte, fragte ich mich, welches Thema ich als Blog-Beitrag nehmen könnte und mir fiel einfach nichts ein. Die Begegnung mit der Frau war die Antwort, jetzt hatte ich eine Idee für das heutige Blogthema, was wieder ein Beweis dafür war, dass alles IMMER für uns ist. 

Du hast immer die Wahl, wie Du auf Gegebenheiten reagieren willst, egal, ob Du eingeparkt wirst oder jemanden einparkst. Bleibe in dem Bewusstsein, dass alles FÜR Dich ist, dann fällt es Dir leichter, ruhig zu bleiben, egal, auf welcher Seite Du stehst. Wenn Du diese Art von Gefühlsmanagement lernen willst, empfehle ich Dir meinen Online-Video Kurs oder das Seminar „Glücklich SEIN“.