„Sowohl als auch“ statt „entweder oder“

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Entweder mit dem Auto oder mit dem Rad, entweder Essen gehen oder selber kochen, entweder Berge oder Strand, entweder Kino oder Theater, bis hin zu entweder Geld oder Liebe.

Entweder mit dem Auto oder mit dem Rad, entweder Essen gehen oder selber kochen, entweder Berge oder Strand, entweder Kino oder Theater, bis hin zu entweder Geld oder Liebe. Warum „entweder – oder“? Ist es wirklich ein „entweder – oder“? Also schließt das Eine das Andere wirklich aus? Kann man wirklich nicht beides haben?

„Entweder – oder“ bedeutet: es geht nur eins. Wir müssen uns entscheiden. Wir denken, man kann nicht alles haben und schon mal gar nicht gleichzeitig und weil wir das denken, ist es auch so. Ja, manchmal stimmt das – aber nur in den seltensten Fällen. Sehr häufig stimmt diese Annahme absolut nicht. Ich kann mit dem Rad unterwegs sein und gleichzeitig den Bus oder die Bahn nutzen. Ich kann auch Rock und Hose zusammen anziehen und es gibt die Möglichkeit, für einen Urlaub mit Strand und Bergen. Geld und Liebe schließen sich überhaupt nicht aus und ich kann studieren und gleichzeitig arbeiten gehen. Es gibt sehr oft eine Möglichkeit – keinen Kompromiss sondern eine Möglichkeit, in der es ein „sowohl – als auch“ gibt.

Ist es wirklich ein entweder – oder?

Manchmal ist das „entweder – oder“-Denken im Mangel begründet. Wenn etwas knapp ist, werden wir aktiv. Das geht sogar so weit, dass wir Dinge bis zum letzten Moment hinauszögern. Viele arbeiten unter Druck und sie können es sich nicht vorstellen, dass man es auch entspannt und ohne Druck erledigen kann. Wir leben auf dem Mangel-Standpunkt und reagieren darauf, instinktiv. Aber der Mangel ist in den seltensten Fällen real. Er ist künstlich erzeugt im eigenen Kopf.

Ein Freund erzählte mir, dass seine Bank ihm mitteilte er solle seine gesamte Bankverbindung zu ihnen verlegen. Wenn er ihr Kunde sei, dann bitte nur noch ihr Kunde in allen Bankangelegenheiten. Sie nannten das: alles aus einer Hand. Aber was ist, wenn ich das nicht will? Wenn ich es lieber aus zwei Händen hätte, weil ich meinen Kredit bei einer anderen Bank günstiger bekomme? Und was ist das eigentliche Motiv dahinter? Ist das wirklich gut für mich als Kunde? Tun sie das für mich oder für sich oder gegen die Konkurrenz? Wieso ein „entweder – oder“ – warum lassen sie dem Kunden nicht die freie Wahl? Das hieße ja, wenn ich eine Coca Cola kaufe, dann darf ich keine Pepsi mehr kaufen. Warum nicht? Anstatt dem Kunden vorzuschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat, wäre es doch ratsamer, den Kunden mal zu fragen, was er am anderen Produkt / Anbieter gut findet und das dann ggf. mit ins eigene Angebot zu integrieren. Denn dass der Kunde auch noch bei einem anderen Anbieter ist, hat sehr wahrscheinlich einen Grund.

Solange wir im „Entweder-Oder-Modus“ denken, können wir das SOWOHL-ALS-AUCH nicht finden.

Wir nehmen die Dinge viel zu oft als gegeben hin, anstatt nochmal genau darüber nachzudenken. Wenn Dir jemand sagt, es geht nur DAS oder DAS, dann erlaube Dir zukünftig nachzufragen, ob das wirklich so ist und warum nicht beides gehen soll. Vielleicht geht es wirklich nicht; aber vielleicht gibt es das nur bei diesem Anbieter nicht, dann gilt es, so lange weiter zu suchen, bis Du findest was Du willst. Alles ist möglich. Es gibt ja auch ein Telefon mit dem man fotografieren, Musik hören, spielen und im Internet surfen kann.

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