Wenn der Ernst des Lebens beginnt

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Wir alle kennen diesen Satz und welche Auswirkungen er hat

„Jetzt beginnt für Dich der Ernst des Lebens.“ Jeder kennt diesen Satz. Der Tag der Einschulung ist für jeden kleinen ABC-Schützen ein Fest: Stolz gehen sie mit dem neuen Schulranzen und der prall gefüllten Schultüte im Arm zum ersten Mal in die Schule. Dieser Tag wird gefeiert, denn jetzt beginnt ein neuer Abschnitt im Leben unseres Kindes. So ziemlich jedem von uns wurde dieser Satz gesagt, als wir vom Kindergarten oder dem Elternhaus in die Schule kamen. Ende August bzw. Anfang September beginnt für Kinder im Alter zwischen fünf und sieben die Schulzeit. Viele Kinder freuen sich darauf, andere sind vielleicht etwas ängstlich. Der erste Schultag kommt für jeden irgendwann, das ist hier zu Lande unvermeidlich.

Die Einschulung ist ein Wendepunkt im Leben der ganzen Familie und wird bei vielen gefeiert, denn jetzt beginnt auch für unsere Kleinen der „Ernst des Lebens“. Selbst die Zeitungen erinnern jedes Jahr wiederkehrend zur Einschulungszeit daran. Die Bedeutung dieser Aussage ist klar: Jetzt ist Schluss mit lustig, es wird ernst. Die Zeit des Spielens, des Lachens und der Unbeschwertheit ist vorbei, von nun an weht ein anderer Wind. Wenn vorher das Lernen noch natürlich und spannend war: Jetzt wird es zur Pflicht, es gibt kein Entrinnen mehr!

Was ist eigentlich dieser Ernst des Lebens?

Die Redewendung „Ernst des Lebens“ soll zum Ausdruck bringen, dass das Leben „kein Zuckerschlecken“ ist: Ein harter, unerbittlicher Alltag mit unangenehmen, schwierigen, problematischen und manchmal schmerzhaft empfundenen Herausforderungen, denen wir uns nicht entziehen können. Wenn man das mal weiter denkt, die Schule als „Ernst des Lebens“ bezeichnet wird, dann betrachten wir die Schule als unangenehm, hart, schwierig, etc.. Wir haben uns durch diese Redewendung gesellschaftlich darauf geeinigt, dass mit der Schulzeit eine sehr harte Zeit für unsere Kinder und vielleicht auch für uns Eltern beginnt und dann wundern wir uns, dass die Kleinen da nach kurzer Zeit schon nicht mehr gerne hingehen. Echt jetzt?

Wieso kann die Schulzeit nicht ein Ort der Freude, des Erforschens und Ausprobierens sein? Unsere Kinder haben in ihren ersten fünf Lebensjahren vieles aus sich selbst heraus, leicht und spielerisch erlernt. Daran sieht man, dass es keinen „Ernst“ braucht, um zu lernen. Die Kleinen können ihren Körper nutzen und sie sprechen bereits mit zwei Jahren mindestens eine Sprache. Sie können rennen, klettern, Fahrrad fahren, schaukeln, basteln, schwimmen, malen, tanzen und vieles mehr. Das alles haben sie in extrem kurzer Zeit spielerisch, mit Freude, Begeisterung und durch erforschendes Ausprobieren gelernt.

Kinder sind Lern-Profis!

Wäre das Kind und nicht der Unterrichtsstoff der Mittelpunkt des Lernens in der Schule, dann wäre vieles anders. Dinge, die man lernen soll, bleiben länger im Gehirn verankert, wenn man sie auch lernen will. Lernforscher sind sich einig darüber, dass zwei Jahre nach dem Abitur nur noch sehr wenig von dem übrig ist, was während der Schulzeit unterrichtet wurde; im Gegensatz zu dem, was sich ein Kind in den ersten drei Lebensjahren ohne Unterricht eigenmotiviert und spielerisch angeeignet hat.

Grund dafür ist die emotionale Verankerung des Erlernten: Alles, was wir mit Begeisterung lernen, bleibt im Gehirn verankert. Das ist der Grund, warum man Fahrradfahren nicht verlernen kann. (siehe auch BLOG „Erziehung ist keine Dressur“)

Kinder haben eine angeborene Freude am Lernen

In der Schulzeit sollte das Kind sich die angeborene Freude am Lernen, am eigenen Entdecken und am gemeinsamen Gestalten erhalten. In einigen Schulen werden den Schülern dazu vielfältige Möglichkeiten geboten. Am besten gelingt das im Spiel: Kinder sind echte Profis im Spielen – das können sie wirklich hervorragend. Wenn es uns gelingt, die Schule zu einem Ort des spielerischen Lernens und zur Entfaltung der eigenen Talente zu machen, ist Schluss mit dem „Ernst des Lebens“, bei besseren und langfristigeren Ergebnissen.

Der „Ernst des Lebens“ ist eine Interpretation. Es gibt keinen Ernst im Leben. Es sei denn, wir wollen ihn durch unsere Bewertungen erschaffen. Worte erschaffen unsere Realität, was bedeutet, dass mit der Schule tatsächlich der Ernst des Lebens beginnt, wenn wir alle das denken. Erst, wenn wir unsere verankerte gesellschaftliche Meinung über Schule aufgeben, können wir dauerhaft etwas an unserem Schulsystem verändern. Wenn Schule der Spaß des Lebens sein darf, ist Schluss mit dem harten Alltag, dem Ernst des Lebens. ;o)

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