Wer die Wahrheit nicht sagt, muss sie leben.

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Viele Menschen trauen sich nicht die Wahrheit zu sagen.

Im Zusammensein mit anderen kommt es unweigerlich zu Konflikten. Wir haben Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Der andere sagt etwas, macht etwas, sagt etwas nicht oder unterlässt etwas und wir sind enttäuscht oder fühlen uns sogar verletzt. Eigentlich müssten wir das ansprechen, aber wir trauen uns nicht oder wissen nicht wie.

Die meisten denken, dass sie es lieber nicht sagen, sie wollen keinen Streit oder keine schlechte Stimmung. Nur, funktioniert das? Ist denn die Stimmung wirklich besser, wenn man es nicht anspricht? Nein.

Wir kehren es unter den Teppich, denn wir wollen ja nicht, dass der andere sich verletzt fühlt, wenn wir das ansprechen. Wir reden uns die Sache schön: Das wird schon wieder und das hat er bestimmt nicht so gemeint. Schwamm drüber.

Wer die Wahrheit nicht sagt, unterliegt häufig einem Irrtum.

In diesem Verhalten stecken drei grundsätzliche Irrtümer:

  1. Der andere ändert das von allein.
    Wenn Du dem anderen nicht sagst, dass sein Verhalten für Dich nicht funktioniert, kann er es nicht verändern. Woher soll er wissen, wie das für Dich ist, wenn Du es ihm nicht sagst. Nichts verändert sich allein dadurch, dass Du es ignorierst.
  1. Ich kann darüber hinweg schauen.
    Schwamm drüber funktioniert nicht, es bleiben Reste. Unter den Teppich kehren führt dazu, dass der Teppich immer hubbeliger wird. Du vergisst es nicht – Du sammelst. Bis der Hubbel unterm Teppich so groß ist, dass man ihn nicht mehr übersehen kann. Wir sprechen hier vom berühmten letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Für den anderen ist es dann überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum Du bei einer vermeintlichen Kleinigkeit so ausrastest.
  1. Ich könnte den anderen verletzen.
    Du kannst niemanden verbal verletzten – das ist unmöglich. Gefühle entstehen durch Bewertung. Je nachdem wie wir etwas bewerten, so fühlen wir uns. Natürlich kannst Du etwas in der Absicht sagen, jemanden verletzten zu wollen, aber ob es Dir gelingt und der andere sich verletzt fühlt, entscheidet er. Darauf hast Du keinen Einfluss. Du kannst niemandem Gefühle machen und Dir kann auch niemand Gefühle machen. Wenn der andere sich verletzt fühlt, ist das seine Entscheidung.

Erst im Zusammensein mit anderen stellen wir fest, was uns wichtig ist und was nicht. Wir erkennen unsere eigenen Bedingungen häufig erst, wenn der andere unsere Erwartungen nicht erfüllt. Und nur, wenn wir das ansprechen, hat der andere die Chance etwas in seinem Verhalten zu ändern. Nichts zu sagen und den anderen weiter im Ungewissen zu lassen ist, als würdest Du ihn gegen die Wand laufen lassen. Außerdem führt es auf Dauer zu Distanz, weil Du garantiert innerlich auf Abstand gehst und das härter ist, als die Wahrheit zu sagen.

Sprich an, was für Dich nicht funktioniert – ohne Vorwurf und ohne Meckern und bevor die Fronten verhärtet sind. Nur dann bleibt die Stimmung gut.

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