Wieso fällt es vielen so schwer, „ich liebe Dich“ zu sagen?

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Viele Menschen tun sich schwer ich liebe Dich zu sagen.

Wann hast Du das letzte Mal „ich liebe Dich“ zu jemandem gesagt? Die meisten Menschen sagen diese drei Worte sehr selten. Sie tun sich schwer damit, ihre Liebe den Eltern, Kindern, Geschwistern oder Partnern gegenüber in Worte zu fassen, auch wenn sie damit die Wahrheit sagen würden.

Vielleicht denkst Du, das sei kitschig und das braucht man nicht zu sagen, weil der andere das doch spüren kann oder muss. Ist das so? Kannst Du die Liebe eines anderen fühlen? Nein, das kannst Du nicht, das kann niemand. Der andere verhält sich uns gegenüber „irgendwie“ und wir interpretieren sein Verhalten. Ob er es aus Liebe oder aus Mitleid macht kannst Du nicht fühlen – Du kannst nur Deine eigene Liebe spüren.

Der Trugschluss ist, dass Liebe ein Gefühl sei. Wenn Du jemanden liebst, dann hast Du ihm gegenüber sehr viele Gefühle. Das merkst Du spätestens dann, wenn dieser Mensch bspw. mit einer schlimmen Diagnose ins Krankenhaus kommt. Du wirst vielleicht wütend darüber sein, dass Euch so etwas passiert. Oder Du hast Angst und bist traurig. Diese Gefühle entstehen nur, weil Du diesen Menschen liebst. Liebe ist somit der Hintergrund für alle anderen Gefühle.

Ein weiterer Grund, warum es Dir so schwerfällt „Ich liebe Dich“ zu sagen, könnte sein, dass Du ein Konzept zu Liebe im Kopf hast. Du verknüpfst die drei Worte zum Beispiel mit Verbindlichkeit oder Ansprüchen, die sich für Dich daraus ergeben könnten. Nach dem Motto: „Wenn ich das zu jemandem sage, dann bindet mich das für immer. Dann muss ich immer nett sein, weil es ja sonst keine Liebe ist.“ Vielleicht glaubst Du, dass man bestimmte Dinge nicht tut, wenn man jemanden liebt, aber ist das so? Nein. Du machst Dinge gerade WEIL Du diesen Menschen liebst. Hast Du schon mal jemanden geliebt und warst gemein, verletzend, unfair oder missachtend zu ihm? Du kannst auch jemanden lieben und sein Verhalten ablehnen. Wenn wir Liebe als Konzept sehen, dann haben wir häufig die Befürchtung, angreifbar und verletzlich zu sein. Denn was machst Du, wenn Du Deine Liebe offenbarst und der andere sagt: „Ich dich aber nicht!“?

Der dritte Grund, warum wir uns damit schwertun, ist, dass wir denken, Liebe sei selten und damit extrem kostbar. Wir behandeln Liebe als ein Ding. Wenn wir die Liebe verdinglichen, wollen wir, dass sie besonders, wertvoll und selten bleibt. Ich mache sie umso wertvoller, je sparsamer ich sie einsetze, die Worte „ich liebe Dich“ wenig benutze. Der Gedanke ist: Wenn Liebe zu oft vorhanden ist, verliert sie an Wert. Aber auch das ist ein Trugschluss. Liebe wird nicht weniger oder weniger wertvoll, sie steht uns uneingeschränkt zur Verfügung.

Liebe ist kein Gefühl, kein Ding und kein Konzept. Liebe ist Deine innere Einstellung Menschen, Lebewesen, dem Leben oder einer Sache gegenüber. Du darfst das jederzeit sagen. Wenn Du „ich liebe Dich“ sagst, ist die Liebe bei Dir. Du kannst sie wahrnehmen. Dann bist Du voller Liebe und sie wird nicht weniger, wenn Du es sagst. Ganz im Gegenteil – sie wird mehr. Probiere es aus!

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