Strafe ist keine Konsequenz

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Strafe ist keine Konsequenz

Eltern stellen häufig die Frage, „Wie sollten wir unsere Kinder richtig bestrafen?“.

Die Antwort ist: GAR NICHT!

Aber wenn ein Kind etwas macht, was es nicht soll, muss das doch Konsequenzen haben…?
Hat es auch, denn jedes Verhalten oder Nicht-Verhalten hat Konsequenzen. Das liegt in der Sache an sich:

  • Wenn man andere Kinder ärgert, werden die irgendwann nicht mehr mit einem spielen wollen.
  • Wenn man die benutzte Wäsche nicht in die Wäschetruhe legt, wird sie nicht gewaschen.
  • Wenn man den Geschirrspüler nicht ausräumt …

Strafe ist keine Konsequenz. Konsequenzen ergeben sich logisch aus der Sache. Strafen sind immer draufgesetzt und haben nichts mit der eigentlichen Sache zu tun.

Strafe gibt es leider immer noch viel zu oft

Früher waren körperliche Bestrafungen für ungehorsame Kinder an der Tagesordnung, in der Hoffnung, dass der Nachwuchs begreift, dass sein Verhalten mehr als unerwünscht war. Gott sei Dank ist es mittlerweile gesetzlich verboten, Kindern körperlichen sowie psychischen Schaden zuzufügen. Nicht schlagen (auch kein Klapps auf den Po!), nicht ignorieren, nicht beschimpfen/beleidigen oder entwerten.

Was dann noch bleibt ist:

  • Auszeit anordnen, z. B. stiller Stuhl, stille Treppe, in die Ecke, aufs Zimmer oder sofort ins Bett gehen. Wenn das Kinderzimmer oder Bett zum Bestrafungsort wird, sollte man sich nicht wundern, wenn das Kind nicht mehr ins Zimmer oder Bett gehen will – übrigens auch eine Konsequenz.
  • Entzug von etwas, z. B. Hausarrest, Fernsehverbot, Computerverbot, Handy-Entzug, etc.
  • Zwangsarbeit: mit den Kleinen spielen, im Garten helfen, Fahrrad, Auto oder Toilette putzen. (Auch hier gilt, wenn das zur Strafe wird, macht man das später nicht mehr gerne.)
  • In der Schule greifen die Lehrer zur Strafarbeit (z. B. aufschreiben, warum man das, was man gemacht hat, nicht machen soll und das über eine ganze DIN A4 Seite) oder zum Nachsitzen.

Alles das funktioniert nicht, weil die Motivation oder Absicht des Verhaltens des Kindes komplett unberücksichtigt bleibt. Kinder verhalten sich nicht schlecht, weil sie böse sind. Sie verhalten sich so, weil sie damit etwas bezwecken, was für sie einen Gewinn darstellt. Wenn es draußen regnet, dann probiere ich den Fußball halt im Wohnzimmer aus. Das ist weder böse noch schlecht. Das ist erstmal in den Augen des Kindes eine logische Schlussfolgerung, um das gewünschte Ziel (den Ball auszuprobieren ohne nass zu werden) zu erreichen.

Aus Strafe lernt das Kind nur, sich zukünftig rauszureden, zu lügen und sich nicht mehr erwischen zu lassen. Aber nicht, warum das eigene Verhalten dysfunktional ist und wie es das, was es damit beabsichtigt, in Zukunft anders erreichen kann.

Hier ist es sehr wichtig zwischen SEIN und VERHALTEN zu unterscheiden. Das Kind hat sich „blöd“ verhalten aber es ist nicht blöd! Mache Deinem Kind deutlich, dass Du es liebst aber sein Verhalten ablehnst.

Findet heraus, was die eigentliche Motivation hinter der Tat war und findet dann gemeinsam eine Lösung. Mit Kindern kann man reden, sogar schon mit Zweijährigen, und sie wissen ganz genau, warum sie etwas machen oder nicht machen – immer. Sie werden Dir nur nicht die Wahrheit sagen, wenn sie dafür abgelehnt oder anders bestraft werden.

Und immer daran denken: Die optimale Entwicklung und Sicherheit des Kindes steht im Vordergrund.

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