Was ist eigentlich die Aufgabe von Eltern?

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Als Eltern wollen wir, dass unsere Kinder behütet aufwachsen.

Als Eltern wollen wir, dass unsere Kinder behütet aufwachsen. Wir wollen alles richtig machen und alles Leiden von ihnen fernhalten. Sie sollen eine schöne Kindheit haben und glücklich sein.

Allerdings hast Du darauf keinen Einfluss. Ob sie eine schöne Kindheit haben und glücklich sind, entscheiden sie selbst. Das ist allein ihre Bewertung. Es ist nicht Deine Aufgabe, sie glücklich zu machen; das kannst Du auch nicht. Das kann niemand, denn glücklich zu sein ist eine Wahl, die jeder selbst trifft, unabhängig von den äußeren Umständen. Deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Deine Kinder irgendwann allein überlebensfähig sind. Das ist der Sinn und Zweck vom Elternsein.

Du bringst Ihnen bei, wie Überleben funktioniert, gibst Ihnen einen Rahmen, in dem sie sich entfalten können und dieser Rahmen wird mit jedem Lebensjahr des Kindes größer. Dabei stehen die Sicherheit und das Wohlergehen im Vordergrund. Da Du das Überleben bisher gut gemeistert hast, bist Du der Profi. Du weißt, wie das geht und gibst dieses Wissen an sie weiter. Dabei lernen die Kinder zu 20% durch das, was Du sagst und zu 80% durch das, was Du tust und wie Du Dich verhältst.

Eltern sind die „Bestimmer“

Du verfügst über die Lebenserfahrung, die das Kind noch nicht hat. Deshalb geben die Eltern die Regeln vor, und nicht die Kinder. Wenn es nach den Kindern ginge, gäbe es den ganzen Tag nur Süßigkeiten, Computerspiele und Fernsehen. Weil sie die Konsequenzen ihres Verhaltens noch nicht überblicken können, ist es Deine Aufgabe, den Süßigkeiten-, Computer- und Fernsehkonsum zu beschränken. Wird ihnen das gefallen? Nein! Und genau an dieser Stelle bist Du gefordert. Aus Liebe zu Deinem Kind, um sein Überleben zu gewährleisten, musst Du bereit sein, Dich von ihm ablehnen zu lassen und es aushalten, dass Dein Kind Deine Entscheidungen doof findet.

Viele Eltern wollen diese Ablehnung jedoch vermeiden und dann wird es schwierig. Deine Kinder können Dir aus allem, was Du getan oder nicht getan hast, einen Vorwurf machen. Sie können alles ablehnen: Ob Du Dich viel gekümmert hast, oder wenig, ob Du streng warst oder nicht, ob Du viel da warst oder wenig, etc. Aus wirklich allem können sie Dir einen Vorwurf machen. Nach dem Motto: „Ich hatte eine zu schöne Kindheit und wurde dadurch nicht aufs Leben vorbereitet.“ oder „Weil meine Kindheit schön war, kann ich jetzt kein Künstler mehr werden, denn nur Leiden macht kreativ.“

Es ist nicht Deine Aufgabe, Deinem Kind zu gefallen – darauf hast Du keinen Einfluss. Die Eltern sichern den Rahmen, in dem das Kind sich entwickelt und gleichzeitig alles lernt, was es braucht, damit es in dieser Gesellschaft irgendwann alleine klar kommt. Sobald Dein Kind allein überlebensfähig ist (spätestens nach der ersten Berufs-Ausbildung), ist Deine Aufgabe erfüllt und Du hast alles richtig gemacht.

Ihr könnt Euch dann als Freunde begegnen oder Euch gegenseitig als Berater nutzen, wenn alle das wollen – aber die Aufgabe als Eltern ist zu Ende.

Und auch für Dich selbst gilt: Wenn Du allein überlebensfähig bist, haben Deine Eltern ihren Job erfüllt. Auch wenn Dir das eine oder andere nicht gefallen hat, Du hast es überlebt und die Erziehung Deiner Eltern hat ihren Zweck erfüllt. Damit wird jeder Vorwurf an eine „falsche“ Erziehung hinfällig.

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