Wenn es Dir schwerfällt, die Vergangenheit loszulassen

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Die Vergangenheit loszulassen, kann einem sehr schwer fallen.

Kennst Du das? Es geht Dir gut und plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchen alte Gedanken auf. Auf einmal sind belastende Erinnerungen an Erlebnisse aus der
Vergangenheit wieder voll präsent, so als wäre es gerade erst passiert. Vielleicht hat Dich Dein Partner damals über Jahre betrogen und Du musst immer wieder daran denken, obwohl das Ereignis schon zehn Jahre zurück liegt und Ihr längst geschieden seid. Vielleicht haben Deine Eltern in Deiner Kindheit eines Deiner Geschwister bevorzugt und Du findest das immer noch ungerecht und gemein. Vielleicht hat Dein Arbeitgeber Dich vor einigen Jahren bei der Beförderung übergangen oder Deine Geschäftspartner haben Dich damals betrogen.

Egal was es war und wie lange es zurückliegt, es fällt dir schwer Deine Vergangenheit loszulassen und deshalb ist es nach wie vor schmerzhaft für Dich. Die „schlechten“ Erlebnisse spielen bis heute eine Rolle in Deinem Leben. Die Ereignisse aus der Vergangenheit, egal wie lange sie zurückliegen, schränken Dein Erleben der Gegenwart immer noch ein und es fällt Dir schwer, die Gedanken daran loszulassen.

Warum fällt es uns schwer die Vergangenheit loszulassen?

Im Verlauf des Lebens machen wir viele Erfahrungen. Einige bewerten wir als gut, andere nicht. Wir sehen uns als Opfer der „nicht guten“ Erlebnisse. Selbst wenn der Täter sich bei uns entschuldigt hat, ändert das nichts an unseren negativen Gedanken. Wir glauben, es sei unmöglich die Vergangenheit loszulassen, da sie uns fest im Griff habe, man könne nichts dagegen machen. Die Gedanken kommen einfach immer wieder, ganz von alleine.
Aber… ist das wirklich so? Nein, denn DU denkst diese Gedanken. Sie kommen, weil DU sie wieder hochholst. Du bewertest die Erfahrung als Trauma und Deine Depressionen, Deine deprimierenden Gedanken, geben Dir recht.

Solange Du auf dem Opfer-Standpunkt lebst, werden diese Gedanken immer wieder von Dir produziert. Obwohl das Ereignis Jahre oder Jahrzehnte zurück liegt, ist es immer noch präsent. Du leidest nach all den Jahren immer noch unter der Situation, obwohl sie schon lange vorbei ist. Es wird Zeit die Vergangenheit loszulassen, nur… wie geht das?

Du hast diese Gedanken, weil Du sie denkst und nur Du kannst das ändern. Du
denkst an die Vergangenheit, wenn Du mit der Situation nicht vollständig abgeschlossen hast. Irgendetwas daran ist für Dich noch nicht „rund“. Sobald Du wirklich mit der Situation abgeschlossen hast und mit der vergangenen Erfahrung im Frieden bist, sind alle „schmerzhaften“ Gedanken daran verschwunden. Wenn Du Dich jedoch weiterhin als Opfer Deiner Vergangenheit definierst, musst Du die Wut, die Trauer, den Hass immer wieder durch Deine Gedanken anfeuern.

Wie gibt man den Opfer-Standpunkt auf?

Der erste Schritt weg vom Opferstandpunkt ist Vergebung. Zu vergeben bedeutet, sein Recht auf Rache aufzugeben. Das Opfer hat aus juristischer Sicht ein Recht auf Ausgleich: Der Täter soll die Tat / das Unrecht ausgleichen. Wenn das nicht geschieht oder geschehen kann, weil die Tat als solche von Rechts wegen nicht strafbar ist (wie z. B. Ehebruch), will man als Opfer trotzdem einen Ausgleich. Der Täter soll genauso leiden wie man selbst, in der Hoffnung, dann ginge es einem besser. Die gelebte Rache soll das erlebte Unrecht wiedergutmachen. Wir sind voller Hass, Wut und Selbstmitleid.

Wenn Du diese hassvollen Gedanken nicht mehr willst, gilt es, dem Täter zu vergeben. DU bezahlst anderenfalls den Preis, DU trägst die Bürde des Schmerzes, nicht er. Selbst wenn der Täter in Deinen Augen keine Vergebung verdient hat: Tue es für DICH, denn Du hast Frieden verdient.

Der zweite Schritt ist, der vergangenen Erfahrung zuzustimmen. Zustimmen bedeutet nicht, das Erlebte gut zu finden. Es bedeutet, Dir selbst zu erlauben und zu vergeben, diese Erfahrung gemacht zu haben. Wenn Du Dir nicht selbst vergibst, sind lebenslange Selbstvorwürfe die Folge.

Ein dritter Schritt ist, den Urheberstandpunkt einzunehmen und herauszufinden, wozu Du diese Erfahrung gemacht hast. Es gilt, die Absicht zu finden, in der Du gelebt hast, eine Erfahrung wie diese zu machen. Diese Absicht hat das Ergebnis hervorgebracht und erst wenn Du Dir Deiner eigenen Absicht bewusst bist, kannst Du die alte Erfahrung gänzlich loslassen und im Frieden leben.

Natürlich kannst Du weiter im „Mist“ Deiner Vergangenheit wühlen und Dich
jahrelang über den Gestank beschweren; Du kannst ihn jedoch auch als Dünger in Deiner Gegenwart nutzen, um ganz neu anzufangen.

 

Zitat:Ich habe den Nazis vergeben. Ich habe allen vergeben. Als ich das tat, fühlte ich, wie eine Bürde des Schmerzes von meinen Schultern genommen wurde. Ich war nicht länger ein Opfer von Auschwitz. Ich war nicht länger eine Gefangene meiner tragischen Vergangenheit. Ich war endlich frei. Deshalb sage ich allen: „Vergebt Eurem ärgsten Feind. Das wird Eure Seele heilen und euch die Freiheit schenken.“ – Eva Mozes Kor, Berlin, am 07. Juni 2001.