Du kannst niemanden motivieren

Veröffentlicht am
Man kann niemanden motivieren. Die Motivation muss intrinsisch sein.

Viele Menschen denken, sie könnten andere motivieren. Eltern wollen ihren Nachwuchs dazu motivieren, das Zimmer aufzuräumen und die Schulaufgaben zu machen; Lehrer wollen die Schüler zum Lernen und Mitmachen animieren; Vorgesetzte wollen ihre Mitarbeiter zur Verwirklichung der Unternehmensziele bringen; und viele andere gehen zu Motivations-Seminaren, um motivierter die eigenen Ziele zu verwirklichen und ihr Leben zu meistern.

Irgendwann stellen alle fest, dass das nicht dauerhaft funktioniert – also wird nachgeladen. Mehr Motivation muss her. Wenn es mit Belohnungen nicht (mehr) funktioniert, wird mit Druck und Angst in Form von Bestrafung gearbeitet.

Intrinsische Motivation wird nicht durch Belohnung oder Bestrafung beeinflusst

Motivation mittels Belohnung hat zur Folge, dass die Belohnung immer größer werden muss. Am Anfang räumt der Junior sein Zimmer vielleicht noch für zwei Euro auf, irgendwann will er fünf oder zehn Euro dafür haben. Im Berufsleben ist es nicht anders: Setzt die Chefetage Belohnungssysteme ein, geht es in der Firma nur noch darum, die Belohnung zu erhalten und nicht mehr Ergebnisse zu produzieren und sein Potential zu entfalten.

Motivation mit Bestrafung hat zur Folge, dass die Leistung des zu Motivierenden nachlässt, sobald der Druck weniger wird oder ganz wegfällt. Eltern, Chefs, Lehrer, Erzieher und alle anderen Führungskräfte, die Strafe oder das Drohen damit als Motivationsmittel einsetzen, kennen die Konsequenzen: Dieses System von Kontrolle, Druck und Angst muss permanent aufrechterhalten werden, sonst „tanzen die Mäuse auf dem Tisch“. Durch den Druck, der durch Bestrafung aufgebaut wird, steigt die Fehlerquote und der andere lernt zu lügen und sich herauszureden.

Man kann niemanden gegen dessen Willen irgendwo hin motivieren. Der andere entscheidet selbst, ob er die Dinge macht oder nicht. Wenn jemand absolut nicht will, lässt er sich weder mit „Zuckerbrot“ noch mit „Peitsche“ dazu bewegen. Die Menschen, die sich durch Belohnung oder Bestrafung bewegen, tun das, weil sie die Belohnung haben oder die Bestrafung vermeiden wollen und nicht wegen der Sache an sich.

Finde heraus was Dich demotiviert

Menschen sind keine Leistungsverweigerer, Faulpelze oder Reiz-Reaktions-Maschinen. Sie müssen nicht motiviert werden, um Ergebnisse zu produzieren. Wenn sie etwas selber wollen, sind sie von sich aus motiviert. Kleine Kinder lernen laufen, sprechen, rennen, klettern und alles andere, weil sie es lernen wollen – sie sind interessiert, wissbegierig, neugierig und eigenmotiviert. Wir haben alle ein natürliches Interesse an unserer Weiterentwicklung. Sollte uns die Motivation zu etwas fehlen, nützt es nichts, uns mit Belohnung oder Bestrafung dahin zu manipulieren. Besser wäre herauszufinden, wieso wir nicht eigenmotiviert sind. Was genau denken wir über eine Sache, so dass wir sie nicht (mehr) machen wollen? Es ist zielführender herauszufinden, was die jeweiligen Demotivationsfaktoren sind und diese dann zu beheben, damit wir wieder eigenmotiviert Ergebnisse produzieren.

Die Ursache der Demotivation ist immer eine hinderliche Meinung oder Überzeugung, die wir gebildet haben und für deren Richtigkeit wir im Laufe unseres Lebens viele Beweise gesammelt haben. Wir denken vielleicht, Mathematik ist überflüssig, wir brauchen sie nicht und Lernen ist anstrengend. Dieses Gedankensystem ändert sich auch nicht durch Belohnungs- oder Bestrafungs-Motivation. Wir werden das Unterrichtsfach weiterhin als überflüssig bewerten und das Lernen wird uns immer schwerfallen. Erst wenn wir herausgefunden haben, welches gedankliche System der Ablehnung des Unterrichtsfaches zu Grunde liegt, können wir unsere Meinung verändern und wirklich wieder Spaß am Lernen haben.

Statt also Kindern mit Fernsehverbot zu drohen, damit sie z. B. im Haushalt mithelfen, gilt es herauszufinden, wieso sie das nicht machen wollen. Durch Belohnung oder Bestrafung lernen Kinder nicht, welche natürlichen Konsequenzen ihr Verhalten hat und wie wichtig es ist, einen Beitrag zum sozialen Zusammenleben zu leisten. Das gilt für Chefs und Mitarbeiter in Arbeitszusammenhängen gleichermaßen. Wenn man den Kern der Demotivation aufgelöst hat, läuft alles wieder wie von selbst.