Sich zu vergleichen ist ein Verliererspiel

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Sich mit anderen zu vergleichen macht keinen Sinn

Sehr viele Menschen vergleichen sich ständig und mit fast jedem. Sie denken: Der hat ein größeres Auto als ich. Die ist attraktiver als ich. Der hat mehr Geld als ich. Die haben ein größeres Haus als wir. Die ist schlanker als ich. Der wurde eher befördert als ich. Der hat mehr Follower bei Facebook als ich. Die sind erfolgreicher als wir. Der ist beliebter als ich. Deren Kinder sind intelligenter als unsere. Der ist besser als ich. Es ist wie eine Volkskrankheit. Wir vergleichen uns ständig. Mit dem Ergebnis, dass wir uns als Verlierer fühlen.

Beim Sport lässt sich häufig beobachten, dass sich die Sportler mit der Silbermedaille nicht so sehr über ihr Ergebnis freuen wie man meint, dass sie sich darüber freuen könnten. Das liegt daran, dass sie sich mit dem Sportler, der den ersten Platz gemacht hat, vergleichen. Sie denken, dass auch sie da hätten stehen können, wenn sie nur etwas besser gewesen wären. Auch der Bronzemedaillen-Gewinner vergleicht sich, aber er schaut auf den vierten Platz und nicht auf den zweiten. Das ist der Grund, weshalb er sich über seine Medaille sehr freut. Meistens vergleichen wir uns jedoch mit denjenigen, die im Vergleich besser anstatt schlechter abgeschnitten haben als wir. Die Frage ist: Wieso vergleichen wir uns überhaupt?

Ist es natürlich, sich zu vergleichen?

Immer wieder wird behauptet, sich mit anderen zu vergleichen sei ganz natürlich, aber das ist es nicht. Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir, dass Kinder sich nicht vergleichen. Kinder machen Feststellungen. Sie stellen fest, dass ein anderes Kind schnell laufen oder hoch klettern kann UND sie beziehen das nicht auf sich. Sich und die eigenen Leistungen mit denen anderer zu vergleichen wird uns von den Erwachsenen beigebracht. Einige Eltern stehen bereits ab Geburt des Kindes mit anderen Eltern im Konkurrenzkampf. Diese Eltern achten mit Adleraugen darauf, dass der eigene Sprössling im Vergleich zu anderen auf keinen Fall schlechter abschneidet. Da wird jedem erzählt, was der eigene Nachwuchs bereits alles kann. Das Ergebnis des Kindes soll die Eltern im Vergleich zu anderen Eltern aufwerten. Man will beweisen, wer das bessere Kind hat und wer die besseren Eltern sind.

Unsere Eltern vergleichen uns mit unseren Geschwistern oder mit anderen Kindern. Auch die Erzieher oder Lehrer benutzen den Vergleich mit anderen. Und immer passiert es in einer Absicht zu einem Zweck. Sie machen es, weil sie sich etwas davon erhoffen. Sie denken, sie könnten den Nachwuchs durch das Vergleichen motivieren. Der Vergleich soll dazu führen, dass das Kind sich mehr anstrengt oder sein Verhalten verändert, nach dem Motto: Schau Dir mal Deinen Bruder an, der schreibt in der Schule nur gute Zensuren…. und Du?!?

Den Vergleich als Erziehungsmittel einzusetzen zeugt von einem negativen Menschenbild. Kinder müssen weder erzogen, gezüchtigt noch motiviert werden. Alle Menschen sind von Natur aus neugierig, wissbegierig, großartig, sehr kreativ und hochbegabt. Es gilt, sie bei der Selbstentfaltung zu unterstützen und nicht gegeneinander antreten zu lassen.

Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, in der das Sich-Vergleichen als etwas Gutes vermittelt wird

Sich zu vergleichen führt jedoch häufig zu Neid, Eifersucht und Missgunst. Neid bedeutet: Was Du hast, hätte ich auch gerne. Eifersucht und Missgunst gehen noch einen Schritt weiter. Es bedeutet: Was Du hast, gönne ich Dir nicht. Neid, Eifersucht und Missgunst sind sehr schmerzhafte Bewusstseinszustände. Einige nutzen das als Motivation, andere sind darüber deprimiert, frustriert oder wütend, was sogar zum Selbsthass führen kann.

Es gibt Kulturen, in denen es weder Neid noch Missgunst gibt. Dort werden Menschen nicht miteinander verglichen und sie lernen sehr früh, sich mit anderen und für sie zu freuen. Wichtiger als der Konkurrenzgedanke ist die Freude darüber, die eigenen Grenzen erfahren und neue Erkenntnisse erlangt zu haben.

Wenn Du ein erfolgreiches und erfülltes Leben führen willst, beende das Vergleichen und beginne damit, Dich mit anderen Menschen und für sie aufrichtig zu freuen. Freue Dich wirklich über die Ergebnisse der anderen. Diese aufrichtige Mitfreude ist ein wichtiger Schritt zu einem freundlicheren Miteinander in unserer Gesellschaft.