Wenn die Berufswahl zur Qual wird oder „was will ich eigentlich?“

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Vielen jungen Menschen fällt es schwer, direkt nach Abschluss der Schulzeit eine Berufswahl zu treffen.

Spätestens am Ende der Schulzeit kommt die Berufswahl. Wir sollen wählen, was wir aus unserem Leben machen. Doch vielen jungen Menschen fällt das schwer. Sie haben echte Schwierigkeiten, sich beruflich festzulegen.

Als Kinder sind wir begeisterte Entdecker. Wir zeigen deutlich unser Interesse an der Welt, sind neugierig, wissbegierig und voller Tatendrang. Kinder wissen ganz genau, was sie wollen und folgen dabei ihrem Interesse. Bei vielen ist es jedoch so, dass sie nach der Schulzeit nicht mehr wissen, was sie wollen, trotz Berufs- oder Studienberatung. Nach dem Abitur steht ihnen plötzlich die ganze Welt offen. Sie bräuchten nur zu wählen, welchen Weg sie gehen wollen. Und genau da liegt das Problem: Sie legen sich nicht fest oder zweifeln an ihren Entscheidungen. Wieso ist das so?

Warum wissen wir nicht, was wir wollen?

Wir wissen nicht mehr, was wir wollen, weil wir uns selbst aus dem Blickfeld verloren haben. Anstatt uns zu überlegen, was wir richtig gerne machen würden, knüpfen wir an den Beruf irgendetwas, das wir uns dadurch erhoffen. Vielleicht ist es der Wunsch nach Sicherheit, Ruhm, Ansehen oder Reichtum, der unsere Berufswahl jetzt bestimmt. Wonach wir nicht mehr schauen ist unser eigentliches Interesse: Was mögen wir gern oder was können wir richtig gut, was würden wir am liebsten tun? Die Unbekümmertheit, mit der wir bisher unseren Interessen nachgegangen sind, ist weg, stattdessen soll der Beruf uns etwas geben oder etwas über uns beweisen. Wir streben jetzt nach Bedeutung anstatt nach Entfaltung. Jetzt hängt an der Wahl ein Beweis und nicht mehr nur die Begeisterung für die Sache an sich.

Man hört nur noch sehr selten Aussagen wie: „Ich studiere dieses Fach bzw. ich mache diese Ausbildung, weil mich das wirklich interessiert.“ Meistens kommen folgende Begründungen: „Ich dachte, das sei sicher.“ oder „Ich bin da so reingerutscht.“

Was wäre, wenn der Beruf, den Du wählst, nichts über Dich aussagt?

Kein Beruf beweist etwas über Dich und kein Beruf kann Dich glücklich machen (siehe Blogbeitrag über Lebensumstände). Arbeit macht nicht glücklich und sie macht auch keinen Spaß; Arbeit macht gar nichts. Wenn Du Spaß haben willst bei der Arbeit, dann musst Du Spaß dorthin mitbringen. Ob Du Spaß an Deiner Arbeit oder in Deinem Beruf hast, entscheidest Du ganz alleine. Das hat nur etwas mit Dir zu tun und nichts mit der Berufswahl. Du erwartest etwas von Deinem Beruf, was der nicht liefern kann. Deshalb kannst Du aufhören, nach DEM Beruf zu suchen, der Dir das gibt, was Du willst. Finde lieber den Beruf, an dem Du Freude hast.

Neulich sagte mir eine junge Frau in einem Coaching-Gespräch, dass sie nach einem Beruf suche, der wirklich sinnvoll sei. Sie dachte, wenn der Beruf sinnvoll wäre, dann hätte auch ihr Leben einen Sinn, eine Bedeutung. Als ich ihr vorschlug, einen Job bei der Müllabfuhr zu wählen oder Putzfrau zu werden (zwei sehr sinnvolle Tätigkeiten) wurde ihr klar, dass an ihrer Aussage etwas nicht stimmt. Das Leben hat nur den Sinn, den Du ihm gibst. Du kannst in jeder Tätigkeit einen Sinn sehen. Du gibst Deinem Leben einen Sinn, nicht umgekehrt.

Und ja, es gibt heutzutage eine riesige Auswahl an Tätigkeiten, die Du wählen kannst. Wenn Du noch nicht weißt, was Du machen willst, überlege Dir, was Du richtig gerne machst. Hast Du herausgefunden, was Du gerne machst, finde heraus, wo Du das weiterentwickeln kannst. Weißt Du noch nicht, was Du gerne machst, frage Dich, was Du gerne machen würdest. Woran hast Du Interesse? Worin würdest Du Dich gerne weiterentwickeln? Was in Dir würdest Du gerne entfalten?

Zweifle also nicht an Deinen Entscheidungen, triff einfach eine Wahl. Du kannst alles machen, was Du machen willst. Und das heißt nicht, dass Du für immer und ewig darauf festgelegt bist. Solltest Du eines Tages kein Interesse mehr daran haben, wird sich Dir etwas Neues erschließen, woran Du Interesse hast. Einfach deshalb, weil Du die Absicht zur Weiterentwicklung und Potentialentfaltung hast.