Wenn Motivationssprüche unsinnig sind

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Motivationssprüche sind oft unsinnig

Das Internet ist voller Zitate und Motivationssprüche. Einige sollen uns zum Durchhalten motivieren, andere wollen uns trösten und wieder andere sollen uns Mut machen. Mal abgesehen davon, dass uns niemand motivieren kann: Es gibt Motivationssprüche, die einfach absurd sind. Heute las ich folgenden Spruch, der in den sozialen Netzwerken viel geteilt wird: „Je steiniger der Weg, umso wertvoller das Ziel.“ Wie siehst Du das? Glaubst Du das auch?

Schauen wir uns diesen Motivationsspruch mal etwas genauer an:

Stimmt die Aussage? Hat der steinige Weg wirklich etwas mit dem Ziel zu tun, macht er das Ziel wertvoller?

Was denkst Du, welche Eins im Zeugnis mehr wert ist: Die, für die Du wochenlang gelernt hast oder die, für die Du nicht gelernt hast?

Und welcher 50-Euroschein ist mehr wert: Der, der Dir geschenkt wurde oder der, für den Du eine Woche lang hart gearbeitet hast?

Viele würden sagen „Die Eins, für die ich viel getan habe, ist mehr wert als die andere und der 50-Euroschein, für den ich hart gearbeitet habe, auch.“ Allerdings stimmt das nicht: Eine Eins ist eine Eins– der Wert steigert sich nicht dadurch, wie Du sie erlangt hast. Und ein 50-Euroschein ist ein 50-Euroschein: Du bekommst für den einen im Geschäft nicht mehr als für den anderen.

Der Wert des Ziels ändert sich nicht durch den Weg, durch den man es erlangt hat; DU gibst ihm den Mehrwert. Es ist Deine Bewertung über Dein Handeln, die der Sache in Deinen Augen mehr Wert gibt. Die Überzeugung „Wenn etwas schwer zu erreichen ist, ist es wertvoll“ hat Konsequenzen: Du lädst Dir damit ein schweres Leben ein. Um Wert zu haben, muss es schwer und voller Leiden sein.

Woher kommt diese Meinung und wozu glauben wir das?

Dieser Gedanke ist nicht neu, wir kennen ihn seit Jahrhunderten. Dahinter steckt eine positive Absicht, nämlich die, gesellschaftlich zu funktionieren. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit wurde unseren Vorfahren erzählt, dass harte Arbeit und Leiden gut wären. Ein schweres Leben wäre „selig“ und „Gott wohlgefällig“ und man erhielte seinen Lohn dafür im Himmelreich.

Unsere Ahnen sollten zum Wohle der damaligen Gesellschaft funktionieren. Sie sollten tun, was von ihnen verlangt wurde und sich dabei möglichst gut fühlen. Deshalb wurde ihnen gesagt, wie wertvoll ein schweres und leidvolles Leben sei.  

Bis heute hat sich an dieser Art der Motivation nicht viel geändert: Wenn unsere Kinder es „schwerer“ haben als andere, sagen wir ihnen Motivationssprüche, damit sie sich nicht schlecht fühlen und im Alltag, in der Schule und in der Gesellschaft funktionieren.

Wir unterliegen fast alle diesem Irrtum, zu glauben, dass etwas, das wir tun oder haben, unseren Wert steigert. Wir vergleichen uns mit anderen, zweifeln an unserem Selbstwert und wollen Bedeutung erlangen. Gute Leistungen und ein schweres Leben sollen uns Wert geben.

Irgendwann merkst Du vielleicht, dass das nicht funktioniert. Du bist im Hamsterrad gefangen und kommst nie dort an, wo Du hinwillst; aber hey, es ist echt schwer und dadurch natürlich super wertvoll!

Wenn Du wirklich aus dem Hamsterrad aussteigen willst, dann erreiche ein Ziel, weil Du es erreichen willst und nicht, damit es Dir mehr Wert gibt, denn das kann es nicht. Du bist schon absolut wertvoll, einzigartig und großartig und nichts, was Du hast oder tust, macht eine Aussage darüber, wer Du bist. Es macht nur eine Aussage darüber, was Du hast oder nicht hast bzw. was Du getan oder nicht getan hast. Erst wenn Dir das bewusst ist, kannst Du damit aufhören, es Dir schwer zu machen.

Für ein Ziel gilt es, die Bedingungen für das Erreichen des Ziels herauszufinden und zu erfüllen. Da wir nicht alle die gleichen Voraussetzungen mitbringen, müssen einige mehr und andere weniger Bedingungen zur Zielerreichung erfüllen – das ist alles.

„Nichts an sich hat Bedeutung. Wenn etwas für Dich Bedeutung hat, dann nur, weil Du ihm Bedeutung gibst.“