Wie gehst Du mit Anerkennung um?

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Bekommst Du gerne Anerkennung

Anerkennung ist ein psychisches Grundbedürfnis und der Wunsch danach, dass andere sehen und wertschätzen, was wir tun. Wir drücken uns über das, was wir tun, aus. Das gehört zum menschlichen Individuationsprozess und dafür benötigen wir die Rückkopplung zu anderen. Ohne die Rückmeldung und Reaktion der anderen auf unser Handeln ist der Individuationsprozess gehemmt. Werden wir übersehen oder nicht ausreichend beachtet, entstehen Selbstzweifel, die mangelndes Selbstbewusstsein zur Folge haben.

Wie Menschen auf Anerkennung reagieren, ist immer wieder interessant zu beobachten. Gestern habe ich mit einer Mitarbeiterin vom Finanzamt telefoniert. Ich brauchte Informationen und sie war sehr nett und hilfsbereit. Nachdem ich erfahren hatte, was ich wissen wollte, bedankte ich mich bei ihr für Ihre kompetente Unterstützung. Ihre Antwort war: „Oh, dafür nicht, das ist doch mein Job!“ und ich antwortete: „Doch, genau dafür!“. Eine Stunde später bedankte ich mich bei einem Lieferanten für seinen Service und auch er sagte: „Nicht der Rede wert.“ Worauf ich antwortet: „Doch, das ist der Rede wert und auch der Anerkennung!“.

Sehr häufig fällt mir auf, dass Menschen Anerkennung, die sie bekommen, nicht annehmen. Sie sagen dann Sätze wie: „Das ist doch selbstverständlich.“, Nicht dafür!“ oder „Kein Problem!“. Wenn man jemanden für seine Kleidung anerkennt hört man: „Das war gar nicht teuer.“ oder „Das habe ich schon ganz lange.“. Auch hier wird die Anerkennung nicht angenommen, sondern sofort wieder zunichte gemacht. Warum?

Warum nehmen Menschen die Anerkennung, die sie bekommen, nicht an?

Was machst Du, wenn Dich jemand anerkennt? Nimmst Du diese Anerkennung an oder redest Du sie klein? Wie ist es für Dich, wenn du öffentlich anerkannt wirst: Ist das angenehm oder unangenehm für Dich? Vielen ist es unangenehm, wenn der Chef sie vor versammelter Mannschaft anerkennt. Sie werden rot oder schauen peinlich berührt nach unten und würden am liebsten unsichtbar.

Wir sehnen uns nach Anerkennung und wenn wir sie bekommen, ist es uns unangenehm. Werden wir durch Anerkennung hervorgehoben, stehen wir im Mittelpunkt und sind sichtbar für alle anderen. Es ist, als würde ein Scheinwerfer auf uns gerichtet. Und genau das ist für viele bedrohlich, denn es könnte zu Neid und Ablehnung führen. Deshalb ist es vielen unangenehm, anerkannt zu werden. Häufig haben sie selbst keine Anerkennung für sich und sind deshalb sparsam damit, anderen Anerkennung zu geben.

Wirst Du viel oder wenig anerkannt?

Hast Du nur noch wenig Anerkennung in Deinem Leben, dann kann es sein, dass Du sie zu oft nicht angenommen, sie abgewiegelt oder klein geredet hast. Dann darfst Du Dich nicht wundern, wenn Menschen aufhören, Dich anzuerkennen. Sie machen genau das, was Du ihnen sagst und folgen Dir in Deinem Denken – Dein Agieren ist dann für sie nicht mehr der Rede wert und somit selbstverständlich.

Alle Menschen wollen anerkannt, gesehen, geachtet, wertgeschätzt und geliebt werden. Fehlt die Anerkennung, leidet das Selbstwertgefühl.

Ein geringes Selbstwertgefühl entsteht bereits in der Kindheit, wenn wir für unser Handeln oder unsere Ergebnisse anstelle von Anerkennung, Lob und Wertschätzung, nur Korrektur, Kritik oder Missachtung ernten. Menschen, die diese Erfahrung machen, suchen als Kinder, Jugendliche und auch noch als Erwachsene um jeden Preis Anerkennung und Wertschätzung im Außen. Sie werden zu Anerkennungs-Junkies! Das Problem ist dann nur, dass die Anerkennung bei ihnen nicht ankommt, wodurch es nie genug ist. Wenn man selbst keine Anerkennung für sich hat, weil man davon überzeugt ist, nicht gut genug oder wertvoll genug zu sein, handelt man wie ein Fass ohne Boden. Der erste Schritt ist dann, sich wieder selbst wertzuschätzen und mit sich selbst anerkennend anstatt entwertend zu sein, mit anderen Worten, sich selbst mit Respekt zu behandeln.

Anerkennung, Empathie und Achtsamkeit sind eng miteinander verbunden.

Willst Du Anerkennung haben, dann sei Du anerkennend mit anderen. Anerkennung setzt voraus, dass Du andere wirklich wahrnimmst. Dafür brauchst Du Empathie und Achtsamkeit. Wie viele Personen hast Du heute schon anerkannt? Bei wem hast Du Dich bedankt? Und ich meine WIRKLICH bedankt? Nicht nur das „Höflichkeits-Danke“, dass in der Regel folgt, wenn jemand was für Dich getan hat, so wie wir es in der Kindheit gelernt haben („Hast Du auch schön DANKE gesagt?“), sondern hast Du diesem Menschen auch gesagt, wofür Du ihm dankbar bist?

Du kannst das überall machen. Es gibt viele Möglichkeiten, andere Menschen anzuerkennen. Wenn Du z. B. am Flughafen im Security-Check-In bist, dann bedanke Dich bei dem Personal dafür, dass sie für Deine Sicherheit sorgen. Oder bedanke Dich bei dem Busfahrer, den Zugbegleitern, dem Postboten, der Putzfrau, den Kollegen, bei Deinem Chef, bei den Mitarbeitern, Deiner Familie, Deinen Freunden, den Nachbarn, der Kassiererin im Supermarkt, etc. für das, was sie für Dich tun. Du wirst überrascht sein, wie sie darauf reagieren.

Ich lade Dich ein, auch Dir selbst gegenüber wieder wertschätzend und anerkennend zu sein. Vielleicht hilft es Dir, wenn Du für ein paar Wochen ein Anerkennungstagebuch führst. Schreibe dort täglich auf, wofür Du Dich und andere anerkennst, wofür Du dankbar bist und welche messbaren Ergebnisse Du heute produziert hast. So ein Anerkennungstagebuch wirkt Wunder bezogen auf Dein Selbstbewusstsein… 😉