Weihnachtszeit: Weihnachts – Streit

Veröffentlicht am
Wieso kommt es an Weihnachten so oft zu Streit in der Familie?

Es ist Weihnachten und man fährt natürlich zu den Eltern und Verwandten. Entweder man ist alle drei Tage mit der ganzen Ursprungs-Familie (Eltern, Großeltern, Geschwister mit Partnern und Kindern) zusammen, oder man macht den Besuchsmarathon. Erst zu ihren Eltern, dann zu seinen Eltern und wenn die nicht mehr zusammenwohnen dann erst zur Mutter und danach zum Vater oder umgekehrt. Der Zeitplan ist eng und jede Minute durchgeplant. Natürlich kommen die Geschwister auch mit der eigenen Familie angereist – es wird voll. Geschenke einpacken, Geschenke auspacken, lächeln, sitzen, essen, trinken, reden und wieder essen …

Erst sind alle noch ganz freundlich und irgendwann kommen die ersten kleinen verbalen Spitzen. Die Stimmung wird angespannter und dann bricht er aus: der Familienstreit; wahrscheinlich zuerst zwischen den Geschwistern.

Gründe für den Streit

Warum kommt es überhaupt zum Streit? Das liegt an folgenden Gründen:

  1. Wir haben nicht nur Meinungen über z. B. das Wetter, das Essen oder die Kleidung, sondern auch über Menschen. Und gerade die Meinungen über unsere Familienmitglieder haben wir über Jahrzehnte gefestigt. Da ist die jüngste Schwester schnell mal das „verwöhnte Miststück“ und der große Bruder der „egoistische Besserwisser“. In der Familie sind alle Meinungen vertreten. Das geht vom Dummchen bis zur Zicke, vom Angeber bis zum Vollpfosten. Familienmeinungen sind häufig nicht positiv und auf engem Raum werden sie unweigerlich sichtbar. So kommt es dann irgendwann zum Streit. Weihnachten knallen die Meinungen aufeinander – wir können uns jetzt nicht mehr aus dem Weg gehen. Wir sind mit den anderen, deren und unseren Meinungen konfrontiert.
  2. Außerdem sieht man sich ganz schnell wieder ins alte Rollengefüge und die Familienpositionen zurückgezwungen. Man ist plötzlich wieder der kleine Bruder und nicht mehr der erfolgreiche Geschäftsmann, oder man ist wieder die blöde Schwester anstatt die gestandene Ärztin. Das geht ganz schnell, denn Deine Familie erkennt Deinen Status außerhalb der Familie nicht an. Für sie bist und bleibst Du die kleine oder große Schwester bzw. der Bruder und für Deine Eltern bleibst Du immer das Kind, egal, wie alt Du bist. Einige Familienmitglieder sind auch der Auffassung, dass ihnen der Verwandtschaftsgrad bestimmte Befugnisse gibt. Deine Eltern und Geschwister denken, sie hätten das Recht, Dir ungefragt ins Leben „reinzuquatschen“. Dein älterer Bruder glaubt, nur weil er bereits zwei Jahre länger auf diesem Planeten herumläuft, qualifiziere ihn das, Dein Lebensberater zu sein. Er sagt Dir jetzt, was Du wann und wie zu tun hast, auch oder gerade im Umgang mit Deinen Eltern. Das wirkt bei vielen wie Zündstoff.
  3. Wenn wir tun, was wir nicht wirklich freiwillig tun, dann darf das Weihnachtsfest auf keinen Fall gut werden. Wir brauchen in unserem Bewusstsein einen guten Grund dafür, warum wir nicht hier sein wollen. Nur dann trauen wir uns vielleicht endlich im nächsten Jahr, „nein“ zu sagen. Wenn Du eigentlich Weihnachten nicht zu Deinen Verwandten fahren willst, Dich aber nicht traust, das zu sagen, dann wird Dein Unmut darüber unweigerlich an den Feiertagen eskalieren. Wenn wir den Eindruck haben, dass unsere Freiheit beschränkt wird, dann kommt es zur Reaktanz und die Eskalation ist so gut wie sicher. (Reaktanz bezeichnet einen inneren Widerstand, der sich gegen die Einschränkung der eigenen Handlungsfreiheit wehrt. Dieser Zustand lenkt die Energien darauf, die Handlungsfreiheit zu verteidigen bzw. wiederherzustellen.
  4. Vielleicht hast Du aber auch unausgesprochene Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Sei es, Du bekommst nicht das, was Du Dir gewünscht hast, oder die Reaktion auf Deine Geschenke ist nicht so, wie Du es Dir vorgestellt hast. Wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, führt das häufig zu emotionalen Reaktionen. Vielleicht hast Du mit einem Schmuckstück gerechnet und stattdessen ein Haushaltsgerät erhalten. Oder Du erhältst zum wiederholten Male Socken und einen Schlips. Du bist enttäuscht, traurig oder wirst wütend und den anderen bleibt das natürlich nicht verborgen. Die gute Stimmung ist dahin und es hagelt von allen Seiten Vorwürfe.

Wie kannst Du den Weihnachtsstreit vermeiden?

Um den Streit an Weihnachten zu vermeiden, gibt es folgende Möglichkeiten:

    1. Überlege Dir, was Du Weihnachten am liebsten machen würdest. Mit wem willst Du Heiligabend verbringen? Was möchtest Du am ersten und was am zweiten Weihnachtstag machen? Du darfst das! Es gibt kein Gesetz, in dem steht, dass man Weihnachten mit seiner Ursprungsfamilie verbringen muss. Wenn Du das nicht tun willst, dann musst Du das auch nicht tun. Du kannst das Pflichtprogramm beenden.
    2. Nimm den Stress raus und plane so, wie es für Dich/ Euch das Beste ist. Du hast keinen Einfluss darauf, was andere von Dir denken oder welchen Eindruck Du auf sie machst. Ob der Eindruck, den Du hinterlässt, gut ist oder nicht, entscheiden die anderen, das hat mit Dir nichts zu tun.
    3. Nimm das, was andere sagen, nicht persönlich, denn: Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul aus.
    4. Zu einem Streit gehören mindestens zwei Personen – wenn Du Dich nicht auf den Streit einlässt, dann ist er sehr bald vorbei.

Wie soll Dein Weihnachten aussehen?

Wenn sich Deine Weihnachtspläne jetzt nicht mehr ändern lassen, dann stimme Deiner Wahl zu. Du hast nicht „nein“ gesagt, weil Du etwas vermeiden wolltest oder Du Dir etwas davon erhofft hast – das gilt es anzuerkennen und in diesem Jahr durchzuziehen. Du kannst dann jetzt Deine Familie schon mal darauf vorbereiten, dass Du im nächsten Jahr nicht dabei bist und Weihnachten anders verbringen wirst.

Wie soll Weihnachten für Dich sein? Stresszeit, Pflichtprogramm oder ganz entspannt und genau so, wie Du es willst? Du entscheidest das. Trau Dich, das zu tun, was Du wirklich tun willst.

In diesem Sinne: schöne Weihnachten!